Einführung

Spontane Regressionen und Remissionen bei Krebs werden in onkologischen Kreisen immer noch als Mysterium angesehen. Doch eine sorgfältige Analyse publizierter Fälle weist auf, dass viele von ihnen in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit einem heftigen fiebrigen Infekt auftraten.  Diese Beobachtung, erstmals 2001 mit einer immunologischen Hypothese publiziert, passt zu den Versuchen der Injektion bakterieller Extrakte von Busch, Coley und Zeitgenossen vor mehr als 100 Jahren, sowie zu epidemiologischen Daten. Letztere zeigen, dass fiebrige Infekte vor Krebs schützen (Tabelle2005 , 2008a , 2008b).  

Inzwischen gibt es ein biochemisches Erklärungsmodell. Substanzen, die nur bei Krankheitserregern, nicht aber normalerweise im Menschen vorkommen und die man als  'pattern recognition receptor ligand' (PRRL) -bezeichnet, sind wahrscheinlich verantwortlich. Eine wichtige Untergruppe wird als PAMP oder  'Toll-Liganden' bezeichnet. Diese Substanzen alarmieren das angeborene Immunsystem und ermöglichen zusammen mit vorhandenen Tumorantigenen eine stärkere Immunantwort als Tumorantigene allein.

Richtig - metronomisch - angewendet, haben PAMP vermutlich ein unausgelotetes Heilpotential. Wir konnten in ersten vorläufigen Experimenten Krebsmäuse mit einer PAMP-Kombination heilen. Mit drei Kliniken und einer Reihe von nierdergelassenen Ärzten ist abgesprochen, erste Fallstudien am Menschen zu testen. Dabei werden, anders als vor 100 Jahren, keine Bakterienextrakte verwendet, sondern zugelassene Medikamente, die PAMP enthalten. Die Verwendung von Medikamenten für einen anderen als den zugelassenen Zweck ist als sogenannte off-label-Anwendung zu Testzwecken erlaubt und wird unter dem Stichwort "drug repurposing" systematisch betrieben. Inzwischen konnten wir zeigen, dass die Sicherheit der Fieberinduktion mit einer Kombination von PAMP-Medikamenten exzellent ist, und erste Remissionen konnten erzielt werden.

 (C) Uwe Hobohm